Harry, das hast Du gut gemacht. Ohne jetzt nochmal die Verblüffung aufzuwärmen, die der Ex-One-Direction-Knabe Styles mit seinem selbstbetitelten Solo-Debüt, so erwachsen, so stilsicher, so gar nicht Groupie-Kreisch, erzeugte, bleibt dennoch fest zu halten: Hier machte die Abspaltung von der Teenie-Band wirklich Sinn, da in Styles ganz andere künstlerische Regungen zu Tage traten. Viel Rock war da verarbeitet worden, viel Schräges, aber eben auch der absolute Jackpot mit der Über-Hymne “Sign of the times”, ein Song, der Pathos von Peinlichkeit befreite und mit großer Geste jede Hartherzigkeit auflöste. Dies ist zwar alles ein schöner Türöffner für die weitere Karriere, lässt aber auch gewisse Erwartungen wachsen. In welche Richtung sich der Künstler wohl entwickeln mag? Nun, Styles zeigt auf Platte Nummer zwei, “Fine line”, dass er dem ganzen Zirkus recht entspannt entgegen sieht. Das Album ist kein Aufbruch zu experimentellen Unhörbarkeiten, aber auch kein Zufriedengeben mit allzu glatt gebonerter Oberflächlichkeit. Eher eine Konsolidierung als eine radikale Geste, ist diese Platte locker, geschmeidig aber eben auch mit kompositorischen Kniffen versehen, die ein intelligentes Beherrschen des Songwriter-Handwerks deutlich werden lassen.

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Harry Styles - Fine Line
Harry Styles – Fine Line