Geschichte zum Erleben

Peter Kauls „Mimikry oder Sarahs Verwandlung“ erzählt die Geschichte eines jüdischen Mädchens im nationalsozialistischen Berlin. Sarah ist zuerst angetan vom System, den Aufmärschen und der Musik, bemerkt aber bald, wie judenfeindlich die Gesellschaft wird.

Die Handlung beginnt 1935, als sie etwa 14 Jahre alt ist und endet nach Kriegsende in Berlin am Kurfürstendamm.

Die Geschichte ist frei erfunden, wird aber spannend und unterhaltsam erzählt, wobei sich der Autor um Authentizität bemüht. Zumindest kenne ich die meisten Orte und Straßen; das Buch spielt wieder in Berlin (Das Buch „Erinnerung an Douaumont“ habe ich hier rezensiert).

Besonders spaßig, selbst beim Thema Nationalsozialismus und Judenverfolgung, ist der Umstand, dass Kaul Personen in Mundart reden lässt, wie das ostpreußische Küchenmädchen Anneliese. Dazu baut der Autor Stereotypen ein, die den Kontrast zum Regime glasklar herstellt, beispielsweise der „Kommunist“.

Der Roman ist gut zu lesen, die Geschichte hinter der Geschichte spannend und anschaulich aufgearbeitet. Im Grunde ist das Buch eine Empfehlung!

Mit einer Sache liege ich aber überkreuz. Es mag dran liegen, dass ich ein gebranntes Schulkind bin (Jahrgang 1964), der das Thema Nazis und der 2. Weltkrieg in der 8.-10. Klasse und bei jedem, aber auch wirklich jedem Ersatzlehrer zu hören bekam. Peter Kaul weist in seinem Vorwort darauf hin, dass die Zeit nie wiederkommen darf, und wir unbedingt die Erinnerung deswegen erhalten sollten. Und ich glaube, ihm ist das wichtig. Ich fürchte nur, meine Generation wird es nicht sehr interessieren.

Außerdem werden leider diejenigen, die das Buch lesen sollten, nie ein Exemplar in die Hände bekommen: Schüler in Schulen und neue Nazis mit alten Ansichten. Diejenigen, die das Buch lesen werden, sind von Hause aus grundsätzlich am Thema interessiert und müssen nicht erinnert werden.

Fazit

Auto Peter Kaul
Autor Peter Kaul

Für mich ist der Roman „Mimikry oder Sarahs Verwandlung “ eine weitere Bestätigung, dass Peter Kaul ein hervorragender Autor für historische Bücher ist. Mein Appel an die Rektoren dieses Landes: Gebt dieses Buch aus, statt die Schüler mit Geschichtszahlen zu quälen, ihr werdet mehr erreichen!

Über den Autor

Peter Kaul, Jahrgang 48, verheiratet, drei Kinder, lebt in Berlin. Er hat in Berlin Kunst und Architektur studiert und schreibt Romane, Drehbücher, Kurzgeschichten und Gags und Sketche für verschiedene Formate beim Fernsehen. Sein Interesse gilt jedoch der erlebbar gemachten Geschichte/ Erzählung unter dem Motto „Unterhaltung und Wissenserweiterung müssen zwangsläufig nicht getrennt werden“.

Zusammenfassung

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